Vom Leben im Studentenheim

117 Stufen, verschwundene Töpfe, Streit um Butter, ein mysteriöser Putzplan. Protokoll eines Tages im Studentenheim.

8:30 Uhr Der Wecker unseres Mitbewohners läutet. Wecker heißt in diesem Fall, die musikalische Untermalung in Form von Hip-Hop für die nächsten 16 Stunden beginnt.

9:00 Uhr Zeit für Frühstück. Eigentlich. Denn unsere Butter verschwindet immer mal wieder in eines der anderen Kühlschrankfächer. Wir verstecken sie ab jetzt unter der Lade hinter den Aufstrichen.

9:30 Uhr Ab zur Uni. Wenn ich Glück habe, funktioniert der Lift. Wenn nicht, hat ihn jemand kaputt gemacht. Und wir wohnen übrigens im sechsten Stock.

14:00 Uhr Uni-Ende, hungrig heim, hoffentlich nicht zu Fuß wieder in den sechsten Stock. Dann beginnt die suche nach dem Deckel zu unserem Kochtopf. Der verschwindet manchmal genauso wie die Butter.

Ich weiß gar nicht, warum wir noch eigene Sachen kaufen. Hier verwendet jeder unsere Küchenrolle, unser Klopapier (ja, sonst kauft niemand Klopapier) und unsere Gewürze. Vielleicht auch unsere Butter und unseren Deckel.

14:30 Uhr Marina schreibt eine neue Notiz. Wir kommunizieren über unsere Mitbewohner nämlich fast ausschließlich über Post-its. Ist in folgenden Bildern allerdings am besten beschrieben:

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Eines meiner persönlichen Favorites war das an unserem Gefrierschrank. „Someone left the freezer open, please check meat and fish“, stand da drauf. Geschichte dazu: Wir kommen in der Nacht heim und der Kühlschrank ist lauter als die Musik unseres Mitbewohners. Der Alarm ging auch nicht aus. Aber jetzt ist es wieder leise. Zumindest in der Küche.

18:00 Uhr Abendessen. Im Waschbecken findet man indes Besteck, das seit 48 Stunden in einer Lauge aus Essensresten, Spülmittel und Wasser in einem Glas weicht. Dass ich Brösel unter meinen Schuhen knirschen höre, sagt mir, dass wieder mal niemand geputzt hat. Der mysteriöse Putzplan hängt hier auch nur obligatorisch. Obwohl, zugegeben, es könnte schlimmer sein.

23:00 Uhr Zähneputzen. Das kann man im Bad machen. Man kann sich stattdessen aber auch wundern, warum in Marinas Zahnputzbecher drei Zentimeter hoch Wasser ist, obwohl sie ihn nie benutzt. Dachte zuerst, vielleicht kommt das Wasser aus der Dusche. Da war ja auch mal ein Post-it: „Bitte Wasser nach dem Duschen aufwischen.“ Wasser war einen Tag später trotzdem überall, sogar im Zahnputzbecher. Nur das Post-it war weg.

Fazit: Im Studentenheim zu wohnen, ist fantastisch. <3

Naja, nicht so wirklich. Aber das ist trotzdem Jammern auf hohem Niveau, verglichen mit den Geschichten, die hier unter dem Decknamen „Filderbahnplatz Gossip“ erzählt werden. Da gibt es alles. Manchmal musste die Polizei kommen, manchmal verschwinden Gegenstände, manchmal sind Mitbewohner ein wenig psychotisch.

Aber bei uns, da ist es nur laut. Den Kampf um die Butter haben wir mittlerweile gewonnen. Und geputzt wird auch ab und an.

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